Bürgerbeteiligung FNP – ein Trauerspiel

Bürgerbeteiligung FNP –Bürgerbeteiligung ein Trauerspiel

Am Samstag war sie also, die sagenumwobende große Bürgerbeteiligung zum FNP, auf die die Stadt die Bürgerinitiativen seit 4 Jahren vertröstet hat: Immer wenn die Bürger in den letzten Jahren sich öffentlich mit Vorschlägen und Kommentaren zum neuen FNP geäußert hatten, hieß es „grundsätzlich ist Bürgerbeteiligung gewünscht, nur jetzt gerade nicht“. Stets wurden wir auf die geplante offizielle Bürgerbeteiligung der Stadtverwaltung verwiesen. Am letzten Samstag von 10-16:00 fand nun die zentrale Veranstaltung statt – und was für eine Enttäuschung:

Einige verstreut aufgehangene Ausdrucke von bunten Plänen  verteilt über das Foyer des Bergischen Löwen, einige ausgelegte Ausdrucke des Planentwurfs, sowie jeweils Mitarbeiter der Verwaltung und des Planungsbüros als Ansprechpartner, zudem einige Vorträge, die nur im Internet mit Zeitplan angekündigt waren – das sollte das Herzstück der „Bürgerbeteiligung“ sein, in der die Stadtverwaltung die Wünsche und Meinungen der Bürger zum FNP erfahren möchte?

Überhaupt wirkte die ganze Veranstaltung recht versteckt – wenn man die Berichte zu vorsorglich bestellten Sicherheitsdiensten und die im Vorfeld geäußerte Sorge vor Protesten las bekommt man den Eindruck, die Stadt hatte eher Angst vor dem Bürger, als ein Interesse an einer echten Diskussion (zu der im Zweifelsfall auch ein konstruktiver Streit gehört). Im Vorfeld hatte die Verwaltung immer argumentiert, sie wünscht sich, dass sich endlich mal die zu Wort melden, die sich „nicht eh immer“ beteiligen – und dann so was: Was hätte es für eine Chance gegeben, die Besucher des Stadtfestes aktiv abzuholen und zu einem Abstecher in den Löwen zu motivieren. Dazu hätte es aber Werbung bedurft, offene Ansprache durch eine Moderation, eine Begrüßung im Foyer, Hinweise auf Zeitplan und was und wie man sich einbringen kann. Wer sich nicht im Vorfeld informiert hatte oder von den Bürgerinitiativen informiert wurde, stand verloren im Foyer des Löwen und wusste kaum wo hin.

Aber selbst wenn man es bis zu den „Themenständen“ (=ausgehängte Pläne) geschafft hat – viele von unseren Mitgliedern waren dort und haben die Stände belagert, waren aber angesichts der Reaktion enttäuscht: Den Mitarbeitern der Verwaltung sei es nur darum gegangen, den Planentwurf vorzustellen und im Zweifelsfall, wenn Kritik geäußert wurde, zu rechtfertigen oder zu verteidigen. Vorschläge seien direkt „wegargumentiert“ worden.

  • Wo waren die offenen Fragen an die Bürger?
  • Wo wurden abstrakte Karten mal „übersetzt“ in Darstellungen, die auch Nicht-Geographen verstehen? Wo waren die „Visualisierungen“ vom zukünftigen Landschaftsbild, die uns vor Jahren schon versprochen wurden?
  • Wo gab es konkrete Ansprachen an verschiedene Altersgruppen? Wo wurden Jugendliche eingebunden, wo waren die Schulklassen?
  • Wo wurde einmal seitens der Verwaltung echte Neugier gezeigt, mehr von den Bürgern zu erfahren?
  • Wo wurden einmal Alternativen zum ausgehangenen Plan zur Auswahl gestellt?
  • Wo gab es Diskussionsforen, wo auch kritische Stimmen zu Wort kamen?

Überhaupt – wo waren die Einladungen an die Naturschutzverbände, die Dorfgemeinschaften und örtlichen Vereine, die Verkehrsvereine, Gewerbelobbyisten, Bürgerinitiativen, sich zu präsentieren und an dem Tag zu beteiligen? So viele Gruppe, die sich – meistens ehrenamtlich – um die Stadt bemühen, und die so viel mehr zu den Diskussionen hätten beitragen können als die ortsfremden Ansprechpartner eines angeheuerten Planungsbüros. Kein Verein wurde eingeladen, Alternativen aufzuzeigen, die Pläne der Verwaltung herauszufordern (im Gegenteil, es wurde ein Sicherheitsdienst engagiert um Aktionen von Initiativen zu verhindern).

Der eine Entwurf wurde vielmehr „alternativlos“  präsentiert – mit jeweils 2-3 Mitarbeitern „Spalier“, die natürlich nichts anderes taten, als „ihre“ Pläne zu verteidigen. Das war eine reine Präsentation, eine Frontal-Information, aber niemals hatte man den Eindruck es besteht Interesse an einem kontruktiven, kritischen Dialog, der die bisherige Planung in Frage stellt.

Was hätte es die Chance für eine bunte Messe gegeben, in denen engagierte Bürger – auch kontrovers und kritisch – über Optionen diskutieren, wie und wohin sich Bergisch Gladbach nach dem Willen der Bürger entwickeln soll. Was für eine vertane Chance – und was für ein enttäuschendes Trauerspiel, dass die Verwaltung hier abgeliefert hat.

 

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